#113 Prof. Dr. Stefan Kipf, Professor für Didaktik der Alten Sprachen
Shownotes
Was haben das Brandenburger Tor und Debatten über Chancengerechtigkeit und Unterrichtsqualität gemeinsam?
Sie alle spielen eine Rolle in der Welt der klassischen Philologie und Professor Dr. Stefan Kipf von der Humboldt-Universität zu Berlin erklärte mir, warum das so ist.
Er sprach mit mir über eine Sprache, die gemeinhin für "tot" gehalten wird, aber dennoch die drittmeistgelernte Fremdsprache (nach Englisch und Französisch) in Deutschen Schulen ist und er hatte eine überraschende Antwort auf meine Frage, was ich als "Nicht-Lateiner" verpasst habe.
Er erzählte mir, wie Latein als "kulturelle Sehhilfe" funktioniert, überraschte mich damit, dass Latein entgegen des elitären Rufs der Sprache sogar mehr Chancengerechtigkeit im Bildungssystem schaffen könnte und wir sprachen darüber, warum es sich lohnt, lateinische Schriften im Original zu lesen, auch wenn eine KI "behauptet", sie in Sekunden übersetzen zu können.
Außerdem sprachen wir über die Struktur des Lehramtsstudiums, darüber, was ein gutes Lehramtsstudium können muss, was er selbst an der Lehrkräfteausbildung verändern würde und was eine gute Lehrkraft ausmacht.
Herzlichen Dank für das Gespräch!
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00:00:10: So,
00:00:10: hallo und herzlich willkommen zurück bei Herr Fechner-Lies zum Gespräch.
00:00:13: Mein Name ist Marco Fechne Und heute sende ich bzw.
00:00:17: zeichne ich auf in der alterwürdigen Humboldt Universität zu Berlin.
00:00:23: Mir gegenüber sitzt Professor Dr.
00:00:24: Stefan Kipp.
00:00:25: Er ist, um es kurz anzutiesen, Professor für die Daktik der alten Sprachen hier an der Humboldts Uni ehemaliger Vorsitzender des Altfilologenverbands Landesverband Berlin Brandenburg Geschäftsführender Direktor des Instituts für klassische Philologie.
00:00:40: Schönen guten Tag!
00:00:42: Ich
00:00:45: freue mich sehr auf das heutige Gespräch, wir hatten ja in der Vergangenheit schon mal das Vergnügen miteinander im anderen Kontext aber heute wollen wir noch ein bisschen tiefer in ihr Fachgebiet einsteigen.
00:00:56: Ihr seht sie haben eine unfassbar lange Vita die man auch auf der Webseite nachlesen kann der Humboldt Uni.
00:01:01: ich würde jetzt mal sozusagen bei dem aktuellen Anfang Was macht man als Geschäftsführender Direktor des Instituts für klassische Philologie?
00:01:09: Man leitet den Laden, ist für sozusagen Verwaltungsvorgänge auch verantwortlich.
00:01:15: Ich habe eine Geschäftsführende an der Seite die mir im Tagesgeschäft vieles abnimmt.
00:01:19: ich muss Bestellungen absägnen weil ich hier also entsprechende Rechte habe im SAP-System.
00:01:26: Ich bin sozusagen Vertreter des Institutes gegenüber dem Dekanat gegen über der Universitätsleitung Und leite unseren Institutsrat, in dem wir uns regelmäßig treffen um sozusagen das Schicksal des Instituts zu besprechen und zu verbessern.
00:01:41: Ich bin dann zuständig wenn wir zum Beispiel auswärtige Begutachtungen bekommen.
00:01:45: Wir hatten im Januar jetzt hier eine große Reakreditierung unserer Studiengänge und da war ich dann verantwortlich als Institutsdirektor.
00:01:56: nicht so hört sich vielleicht nach mehr Aufwand an als es ist.
00:01:59: Es ist sozusagen eine sehr schöne Tätigkeit, ich war hier lange im Dekanat tätig und bin eigentlich mit der Tätigkeiten jetzt zufrieden.
00:02:11: ein Anbrauch der Mensch und insofern kann ich für mein Institut ja eine Menge tun.
00:02:17: Lassen Sie uns, ich würde mal um einen Hörer und Hörern ganz gern abholen.
00:02:20: Obwohl die meisten wahrscheinlich wissen was Archäologie ist.
00:02:23: Aber vielleicht können sie es mal kurz erklären?
00:02:25: Ja also unser Institut hat das Institut für klassische Philologie.
00:02:28: Das ist sozusagen die Philologie, die Literatur- und Sprachwissenschaft, die sich mit den antiken Sprachen Latein und Griechisch befasst.
00:02:36: Dafür gibt's ja in Berlin eine lange, lange Tradition seit dem neunzehnten Jahrhundert.
00:02:42: einer der erste Rektor hier der Universität war klassischer Philologe.
00:02:47: Und wir beschäftigen uns im Wesentlichen, ich sage mal mit den klassischen Autoren der griechischen und römischen Antike aber eben auch darüber hinaus.
00:02:55: mittlerweile ist also gerade in der Latinistik.
00:02:58: die haben nicht nur den Blick auf die Antike sondern auch aufs Mittelalter beziehungsweise die Neuzeit.
00:03:05: das gibt ja auch neulatteien bis heutzutage und Mittelalter haben wir vertreten wir hier nicht aber wir sind auch.
00:03:11: mit Neulattein haben wir hier einige Interessen.
00:03:15: Und einer unserer größten Schwerpunkte ist tatsächlich die Antike.
00:03:18: Medizin, wir haben ja ein großes Drittmittelprojekt und da sind wir im Bereich Wissenschaftsgeschichte auch dann entsprechend stark unterwegs.
00:03:27: Den Begriff Neulatein höre ich das erste Mal.
00:03:29: Ja, es gibt ja... Also es gibt Altlatein, das ist sozusagen das ganz ursprüngliche Latein was noch nicht so richtig ausschriftlich da ist.
00:03:36: dann gibts archaisches Latein und dann gibt's klassisches Latein.
00:03:39: Das ist erstes Jahrhundert vor, erstes nach Dann nachklassisches Lateinen, dann gibtes Mittel Latein Neulattein, wobei neu klingt neuer als es tatsächlich ist.
00:03:49: Weil das Neulatein fängt also auch im vierzehnten Jahrhundert an.
00:03:53: aber es gibt immer noch Leute die das bis heute pflegen.
00:03:56: Es gibt eine große internationale Community.
00:03:59: die treffen sich und tauschen sich dann über alle Weltprobleme auf.
00:04:02: Lateinaus kann man alles machen
00:04:04: okay.
00:04:05: Also Neulattein finde ich auch insofern spannend, als dass man ja Lateinen irgendwie oft so ein bisschen als tote Sprache bezeichnet.
00:04:10: Naja das Witz hier ist vor allen Dingen der Gesamtbestand der lateines Literatur die wir haben stammt ja wahrscheinlich nur drei Prozent aus der Antike.
00:04:19: Der Rest ist tatsächlich eben Mittel und Neulateien.
00:04:22: weil sie sich Schulakten ansehen wenn Sie sich kirchliche Akten ansehen Wenn Sie sich musikalische Literatur ansehen, da ist ja wahnsinnig viel auf Latein und die haben ja noch bis ins Jahrhundert ihre Doktorarbeiten auf Lateingeschrieben.
00:04:36: Die Leute der Helmholtz unten, der im Innenhof steht wenn sie reinkommen, der Chemiker hat seine Doktorarbeit nach Latein geschrieben.
00:04:44: Ist dann mittlerweile auch Forschungsgegenstand weil diese Arbeiten dann gesichert ediert und auch übersetzt werden.
00:04:50: also das ist immer noch durchaus da.
00:04:53: aber es ist natürlich mittlerweile ein Randphänomien das ist auch klar
00:04:57: Das ist beeindruckend.
00:04:58: Also viele Leute sagen schon, die Doktorarbeit ...
00:05:00: Ja klar, das war Latein war dann eben noch sozusagen die letzten Reste der Wissenschaftssprache-Latein und für die Latinistik ist es neu lateinische so eine Boomdisziplin.
00:05:16: da kann man eben wirklich Sachen entdecken und dann ist man über Nacht Weltexperte für ein Decks den Feuer.
00:05:22: keiner kannte
00:05:24: Alles klar.
00:05:26: Kurzer Umweg, Sie haben eben gesagt sie sind hier so ein bisschen für das Schicksales Instituts zuständig.
00:05:32: Was ist denn das Schicksalis?
00:05:34: Das Schicksal des Instituts ist im Grunde dass man natürlich auch genau wie in der Schule immer auch nachweisen muss auch hier in der Universität wozu wir eigentlich da sind was wir leisten nicht.
00:05:45: Wir haben ja hier bestimmte Parameter die sehr genau von Universitätsleitung und oft von der Senatsverwaltung angeguckt werden, also Studierendenzahlen.
00:05:53: Da stehen wir momentan nicht so gut da weil wir haben nach Corona das aber auch ein Phänomen was die Uni insgesamt getroffen hat einen Rückgang des Studierendenzahlen gehabt.
00:06:03: jetzt zieht es wieder ein bisschen an.
00:06:05: Wir haben den Eindruck es kommen jetzt wieder mehr Leute wenn natürlich auch hekt natürlich mit der Konjunktur einer Schule zusammen.
00:06:10: Wenn sie Lateinelehrer Lehrkräfte brauchen dann studieren das auch viele.
00:06:16: wenn sie keine brauchen, dann studieren es deutlich weniger.
00:06:18: und wir können natürlich auch nicht so völlig am Markt vorbei die Leute hier ins Leben schicken.
00:06:22: Und sagen kommt mal, kommt mal!
00:06:26: Das ist der eine Punkt.
00:06:26: und dann wird eben nach Forschungsmitteln geguckt also den berühmten Drittmitteln und da stehen wir eben insgesamt ziemlich gut jetzt da.
00:06:37: Man muss sich rühren und zeigen dass man was beizutragen hat.
00:06:42: das ist ja in der Schule nicht anders.
00:06:45: Wenn jemand schlechten Lateinunterricht macht oder ich sag mal anders, wenn jemand schlechte Mathematik-Unterricht macht.
00:06:51: Oder schlechten Bio-Untermricht kommt keiner auf die Idee deswegen das Fach abzuschaffen.
00:06:55: in Latein ist es anders ja dann ist das plötzlich ein alter Zopf der muss weg und deswegen ist die Verantwortung derer die des fach vertreten für ihr fach auch immer sehr sehr groß egal ob sie nur an einer Uni oder an der Schule sind.
00:07:10: Ich würde da nochmal anknüpfen wird aber trotzdem noch einen kurzen Umweg machen.
00:07:16: Sie sind unter anderem, sie haben schon an sich dies so ein bisschen in der Lehrkräftebildung
00:07:20: tätig.
00:07:22: Deswegen mal ganz die allgemeine Frage unabhängig vom Fach Latein was macht eine gute Lehrkraft
00:07:25: aus?
00:07:27: Das ist eine gute Frage.
00:07:28: das machen wir schon öfters mit Schülern auch besprochen.
00:07:30: Eine gute Lehr Kraft ist jemand der für sein Fach brennt, der seinen Fach kann und der Freude daran hat Kindern etwas beizubringen.
00:07:40: Auf die drei Punkte kann man es glaube ich eigentlich bringen.
00:07:43: davon geht alles aus.
00:07:44: also wer Ich sage mal, wer Kinder und Jugendliche nicht mag und die erst einmal als anstrengend empfindet.
00:07:49: Weil sie natürlich auch in bestimmten Altern anstrendend sind das ist ja klar waren wir hier hoch.
00:07:54: Der sollte die Finger davon lassen.
00:07:56: wer glaubt dass er das machen sollte weil er erstens verbeamtet wird und seventy-fünf Tage Urlaub im Jahr hat soll es auch lassen.
00:08:03: Weil der ist kein Job es ist ein Beruf man muss sich dazu berufen fühlen und er ist auch anstrent also ist körperlich und auch psychisch anstrecken kann er wirklich sein oder isse auch wenn man sieht was die Kollegen in Schulen zu leisten haben mit ihren sechsundzwanzig Stunden, die sind ja am Rand immer.
00:08:17: Das ist ja sozusagen eigentlich schon eine Zumutung was man den Leuten da wirklich zumutet und Man muss sich drüber klar sein.
00:08:24: Man muss fachlich also fachwissenschaftlich und faktidaktisch gut sein.
00:08:29: Ja das sagen auch die entsprechenden Studien.
00:08:32: Meiner werden wir noch ohne Studie drauf gekommen aber wenn Herr Baum hat das rausgefunden hat.
00:08:35: dass das so ist ist es natürlich auch nochmal.
00:08:37: Nein ich will jetzt gar nicht irgendwie ironisch konnotieren.
00:08:42: Das ist dann tatsächlich auch für die Öffentlichkeit wichtig zu sehen, wie wichtig eine gute Fachausbildung auch ist.
00:08:48: Auch eine fachwissenschaftliche Ausbildung und wir haben halt hier in Berlin, ich sag mal, die größte fachdidaktische Ausbildung in Deutschland.
00:08:55: unsere Leute gehen gut vorbereitet ins Referendariat.
00:08:58: Okay was machen Sie in dem Teil?
00:09:00: In der fach didaktischen Ausbildung?
00:09:01: also wir fangen sozusagen ganz am Anfang an Wir fangen im Bachelor an.
00:09:05: da haben wir ja nur zwei Veranstaltungen.
00:09:07: Da geht es um erst mal um eine allgemeine Einführung in den Lateinunterricht, was sind die Ziele?
00:09:13: Wie ist der Lateinericht aufgebaut?
00:09:15: und so weiter.
00:09:16: Also da gehen wir auch das erste Mal mit den Studierenden an.
00:09:18: die Schulen haben da so ein Projekt spielen wie die alten Römer.
00:09:22: Da spielen wir dann mit Kindern römische Spiele und es machen dann unsere Studierende sozusagen als ersten Praxiskontakt.
00:09:30: Dann haben wir einen Seminar.
00:09:31: Das mache ich gerade zur Geschichte des Latein Unterrichts.
00:09:33: Da fangen wir an in einer frühen Neuzeit mit Comenius mit dem Orbes Pictus, dem erfolgreichsten Lateinbuch aller Zeiten und gehen dann durch die Zeiten durch bis in die Gegenwart.
00:09:44: So dass die Studierenden wenn sie da raus sind, ich sag mal so ein Lehrbuch lesen können.
00:09:48: ja wir haben jetzt gerade uns.
00:09:49: diese Woche haben wir uns den Lateinbuch aus der Nazi Zeit angeguckt und gehen jetzt weiter dann in die fünftiger Jahre und enden dann jetzt im Einundzwanzigsten irgendwann zum Semesterende Und dann im Master läuft ihm alles zu aufs Praxissemester.
00:10:05: Da haben wir dann im Sommer ein Modul, wo wir die Leuten bei Brig Unterricht zu planen und sie dann auch vertraut machen.
00:10:12: Wir gehen eigentlich mit lateinischen Texten professionell um.
00:10:15: also wie erschließen wir Texte welche Methoden gibt es da?
00:10:18: Dann kommt das Praxissemester immer.
00:10:19: ab ersten September sind die Studierenden bis Ende Januar in einer Berliner Schule.
00:10:24: In ihren beiden Fächern müssen da auch reichlich unterrichten haben dann von uns.
00:10:29: Es gibt also immer ein Begleit-Seminar auch vorgesehen, das machen wir dann auch wöchentlich.
00:10:34: Das sind also immer auch an den Leuten sehr nah dran.
00:10:37: und wenn das Praxissemester durch ist was für unsere Studierenden so das wichtigste Studienaheignis ist und für uns halt für meine Mitarbeiter und mich ist halt immer die Gelegenheit die gute Gelegenkeit regelmäßig Unterricht zu sehen und eben auch mit den Schulen im Kontakt zu sein.
00:10:52: Ja das ist eine ganz ganz wichtige Geschichte also für mich auch persönlich wichtig weil ich ja von hause aus Lehrer bin dass wir regelmäßig an den Schulen präsent sind mit den Kollegen zusammenarbeiten.
00:11:04: Und da haben sich eben auch diesen Zusammenarbeit über die Praxissemester, hat sich also immer eine ganze Menge anderes ergeben.
00:11:12: und wenn sie dann durch sind, haben Sie im Sommersemester nochmal zweifach die taktische Seminare.
00:11:16: Da geht es dann noch mal, gucken wir da nochmal in einzelne Spezialthemen rein.
00:11:21: Also ich mache jetzt ein Seminar zum Beispiel zu CESA als Schulautor.
00:11:26: Wie gucken Sie auf die Debatte, die wir im Moment hier im Land Berlin haben?
00:11:29: Über die Frage werden die Lehramtsanwärter bzw.
00:11:34: Studierenden zu früh eingesetzt?
00:11:37: Die einen sagen dann haben sie mehr Praxis und die anderen sagen eigentlich nicht so günstig?
00:11:44: Naja also ich habe da natürlich auch meine Bauchschmerzen weil wenn jemand das betrifft vor allen Dingen glaube ich die Kollegen an der Grundschule Und auch unsere Kollegen hier an der Uni, die mir da auch einmal von Berichten das eben Großteil der Studierenden im Bachelor noch schon an den Grundschulen tätig sind und schon Klassenlehreraufgaben wahrnehmen und solche Sachen.
00:12:06: Ohne dafür wirklich ausgebildet zu sein!
00:12:08: Das ist wirklich ein Problem weil Praxis alleine in der Phase nicht unbedingt... Allein seelisch machen der Mittel.
00:12:21: Wenn jemand einen Eindruck hat, in meinen Stunden gehen mir die Schüler nicht über Tische und Bänke funktioniert doch alles dann sagt es eben überhaupt nichts über die Unterrichtskwalität aus.
00:12:30: Und wenn die Leute da als PKB-Kräfter oder Ersatzleute in den Schulen eingestellt werden, dann wären sie natürlich nicht betreut weil sie eine Lücke füllen.
00:12:43: Da ist natürlich keiner da, der den Leuten wirklich helfen kann, der sie beraten kann.
00:12:48: Und das ist glaube ich der entscheidende Punkt und deswegen bin ich da sehr skeptisch.
00:12:51: Kann die Schulen gut verstehen?
00:12:54: Aber das verdirbt bei uns zum Teil auch die Preise.
00:12:56: wenn wir hier Leute haben die im Master sind, die dann schon so mal irgendwie ein Angebot von einer Schule haben Dann ist die Motivation nicht sagen wir das Studium auch anständig abzuschließen bei manchen nicht mehr so groß, das haben wir ja auch schon gehabt.
00:13:10: Und am Ende ist dann zerstiebend an die Träume, weil die Stelle doch nicht da war und dann hat man plötzlich in der Masterarbeit eine Viehaufentzeugnis zu stehen, was ja vorher nicht mehr wichtig war.
00:13:21: Also da bin ich sehr skeptisch und habe das Gefühl, da werden wirklich viele verheizt.
00:13:28: Deswegen haben wir jetzt diesen Flexmaster eingeführt.
00:13:32: oder soll es ab September eingefügt werden, dass die Leute, die an den Schulen sind... dort eben dann auch von uns mit betreut werden.
00:13:43: Sie haben schon so zwei, drei Mal irgendwie reingetießt – jetzt habe ich den Griff schon wieder benutzt!
00:13:49: Was muss denn ein Lehramtsstudium leisten?
00:13:52: Ein Lehramtenstudium muss eine gute wissenschaftliche Fundierung leisten, das ist ganz wichtig und wissenschaftlich heißt in dem Fall fachwissenschaftlich und fachdidaktisch und eben auch erziehungs- wissenschaftlichen.
00:14:04: Und das ist natürlich immer das Problem.
00:14:06: es muss einer angemessene Nähe zur Praxis da sein.
00:14:12: Das kann natürlich nicht das erfüllen, was zum Beispiel das Referendariat erfülle soll.
00:14:17: Wir entlassen hier keine fertigen Lehrkräfte – das muss man immer so sehen!
00:14:21: Wir entlasten keine fertige Lehrkräfe, sondern Leute die im besten Falle anschlussfähig auf das vorbereitet sind, was dann auf sie einstürzt und was kommt.
00:14:33: Da haben wir natürlich, ich sage mal dann doch wahrscheinlich mehr Probleme als wir uns das eingestehen möchten.
00:14:40: Wir haben nun immer einen guten Kontakt zu unseren Kollegen aus der zweiten Phase in Latein und haben unsere Inhalte aufeinander abgestimmt dass wir bestimmte Sachen machen oder anders gesagt wir machen bestimmte Dinge nicht die in einer zweiten Phase besser angesiedelt sind also zum Beispiel Leistungsmessung.
00:14:58: Das machen wir sozusagen informierend aber nicht professionalisieren.
00:15:02: Wir korrigieren dann zusammen auch mal eine Klassenarbeit, aber das ist natürlich Platz in der zweiten Phase.
00:15:08: die.
00:15:08: die Referendaren haben da eigene Klassen und müssen das ohnehin machen.
00:15:13: Und da hat es einen anderen Sitz im Leben als bei uns.
00:15:17: ja weil als Praktikant so machen sie sowas überhaupt wenn nur mit ihrem Mentor oder ihrer Mentoren.
00:15:23: also da kommt's glaube ich sehr darauf an dass sich die Phasen aufeinander abstimmen.
00:15:28: Ich muss sagen, mittlerweile bin ich seit über dreißig Jahren im Geschäft so weit.
00:15:34: Ich hätte eigentlich lieber eine einphasige Lehrerausbildung.
00:15:37: Also nicht diese Trennung in zwei Phasen weil da so viele Verluste sind und weil die Kommunikation bisweilen auch wirklich schwierig ist.
00:15:44: also wenn wir hier Studiengänge zu akkreditieren haben sitzen immer Vertreter der Schule dabei was auch sinnvoll ist und wichtig ist.
00:15:53: umgekehrt ist es leider eben nicht so.
00:15:55: Diese Nahtverwaltung macht dann doch, habe ich immer das Gefühl ohne da jetzt jemanden zu nahe treten zu wollen.
00:16:02: Aber da könnte die Zusammenarbeit mit den Schulen besser sein.
00:16:07: Ich bin hier, obwohl ich in entsprechend ziemlich hohen Ämter war... aber ich habe keine Ahnung, was die da im Blick eigentlich so vorhaben.
00:16:17: Also jetzt reden Sie von der Bildungsverwaltung?
00:16:18: Ja ja, von einer Bildungs-Verwaltung.
00:16:20: Ich merke es gerade, da müssen wir ein bisschen aufpassen wenn wir von einer Sanatsverwaltung sprechen, weil sie quasi zwei Sanats Verwaltungen...
00:16:24: Ja ne, ich meine immer Bildung in dem Fall.
00:16:26: Achso
00:16:26: okay!
00:16:26: Das ist für mich zuständig ist ja die Wissenschaft, aber ich hab natürlich auch mit der Bildunsverwhaltung viel zu tun, weil das ja die Bezugsgröße für die Schule ist und ich habe da auch gute Kontakte und arbeite da auch mit vielen Leuten sehr gut zusammen.
00:16:42: Da habe ich immer das Gefühl, da könnte man noch einiges verbessern.
00:16:45: Denn auch die zweite Phase arbeitet ja nicht im luftleeren Raum.
00:16:51: Die müssen mit dem rechnen was wir ihnen liefern und wenn man nicht miteinander spricht dann liefern die einen vielleicht das nicht dass was sie anderen brauchen Ja?
00:16:59: Und die Ersterin also wir wissen nicht was die gerne haben wollen.
00:17:03: Wenn Sie sagen, Sie haben gerade, ich zitiere Sie, Wir entlassen keine fertigen Lehrkräfte.
00:17:08: Das kommt genau der Punkt wo sich so Das ist ein
00:17:12: Missverständnis.
00:17:13: Wir können hier gar keine Fertilienlehrkräfte entlassen, weil ja das deutsche System ist eben das System.
00:17:19: wir haben mehrere Phasen der Lehrkräftepbildung.
00:17:21: Wir haben die erste an der Universität, die zweite des Referendaillats was ja hier in einer Berliner Erfindung ist Ende des achtzehnten Jahrhunderts durch den damaligen Schulleiter des Grauen Klosters Friedrich Gedicke.
00:17:33: und wir haben die dritte Phase die Fort-und Weiterbildung.
00:17:36: da sind es die Uni auch mit drin.
00:17:37: Da könnte sie auch viel stärker aktiv werden.
00:17:40: Aber das ist jetzt sozusagen hier unsere Struktur, mit der wir leben müssen.
00:17:43: In anderen Ländern gibt es kein Referentariat.
00:17:45: Wir sind da internationale ziemliche Ausnahme.
00:17:48: Das hat Vorteile, aber auch Nachteile.
00:17:51: und der Nachteil ist wenn sie keine gute Kommunikation haben zwischen den Phasen dann gibt's Reibungsverluste dass die einen sagen Sie können es mal alles vergessen was sie an der Uni gelernt haben.
00:18:02: so hört man weniger aber wirds wahrscheinlich noch geben oder umgekehrt, dass manche von der Uni sagen also mit der zweiten Phase für jährlich gar nicht so viel zu tun haben.
00:18:11: Wenn Sie sagen eine einphasegelehrkräfte ausbildung dann meintet denn oder meinen sie damit schon eigentlich eine Dualisierung?
00:18:18: Naja es wäre es wäre ne Ausbildung wo man von vornherein mit gemischten Teams arbeitet das man ich sag mal Leute hat.
00:18:24: das ist auf jeden Fall.
00:18:25: ich sage man das müsste sicherlich an einer Uni angesiedelt sein.
00:18:29: da gibt's dann das läuft dann wie sonst Spiralcurriculum hoch.
00:18:32: Also man hat dann eine Unifase, man hat ne Schulphase und so dass wir von vornherein auch früher intensiver mit den Schulen zusammenarbeiten würden.
00:18:43: Man hätte dann gemischte Teams aus Uni-Leuten, da müssten Leute dabei sein die das erfüllen was heute ein Fachseminarleiter erfüllt und wir bräuchten Leute aus den Schulen selber.
00:18:55: Dann hätten dann könnte man viel genauer, viel ziehgerichteter ausbilden.
00:19:01: Aber da hängen natürlich Gelder dran und Interessen dran – also hier bei meinen Kollegen an der Uni, wenn sich das einer anhören sollte, stoße ich glaube auf nicht allzu große Gegenliebe.
00:19:12: einfach auch deswegen weil natürlich ist einmal die Größen der Kohorten der Studierenden, die wir hier beackern müssen so groß sind ja?
00:19:21: Also wir hatten hier als ich noch dekan war ist bei uns für englisch und amerikanistik der numerus clauses gefallen mit der folge dass wir plötzlich eine kororte hatten anfänger kororte von über six hundert leuten.
00:19:32: das ist dann so viel als wenn man wirtschaftwissenschaften oder jurastudiert und bei unseren grundschullehrern es ist nicht anders.
00:19:37: ja das heißt, das ist auch alles schwer zu handeln.
00:19:40: Und da haben natürlich die kollegen zurecht an die bedenken, dass sie das gar nicht mehr hinbekommen.
00:19:44: Das wäre auch eine sache, Planen müsste und der darf natürlich nicht die gute wissenschaftliche Ausbildung runterfallen.
00:19:56: Und es ist eben bei manchen Kommilitonen so, bei den Lateinern merke ich's weniger.
00:20:00: aber wenn ich mich umhöre... Manche wollen auch eigentlich nur wissen wie's geht habe ich immer das Gefühl ja?
00:20:07: Es ist so, dann können wir sowas auf Volkshochschulebene vielleicht machen zwei Semester und ab in die Schule.
00:20:15: Also auch die Ungeduld ist zum Teil sehr groß.
00:20:18: Auch im Studium heißt ja immer was von persönlicher Weiterentwicklung, wir arbeiten hier pädagogisch.
00:20:23: Das machen ja hier Erwachsenenbildung und auch junge Erwachsene machen eine interessante und zum Teil sprunghafte Entwicklung durch.
00:20:33: Die muss man begleiten und dementsprechend bin ich auch immer vorsichtig zu sagen natürlich sollen die früh mit der Schule in Kontakt kommen aber sie müssen noch erst ein bisschen etwas anderes sehen Und es braucht doch erst mal Zeit, man muss ja erstmal Kompetenzen im eigenen Fach aufbauen.
00:20:52: Insofern als wir das Praxissemester geplant haben, wir wollten uns eigentlich ein bisschen früher machen – das ging dann aus bestimmten Gründen nicht.
00:20:59: Jetzt sind wir relativ spät im dritten Semester des Masters.
00:21:02: also sagen manche ist ihnen zu spät kann ich auch verstehen.
00:21:06: andererseits der Vorteil ist Wir sind nah dran am Referendariat.
00:21:09: Das macht die so nach hinten raus.
00:21:10: gibt's da die Nähe zur zweiten Phase?
00:21:13: Also es ist schwierig da allen alle glücklich zu machen.
00:21:18: Gibt's den NC wieder heute?
00:21:20: Unterschiedlich, ich glaube in Englisch ist er noch nicht wieder abgeschafft und Deutsch haben wir ihn zum Teil wieder.
00:21:27: also das ändert sich auch immer wieder mal.
00:21:29: Ich
00:21:29: frage jetzt deshalb weil ich hatte neulich ein Gespräch mit jemandem aus einer anderen Hochschule und die Person sagte mir In einem unserer Studiengänge den NC-Mann abgeschafft.
00:21:40: Und seitdem haben wir extreme Anmeldezahlen für den Studiengang, aber auch eine sehr hohe Abbruchquote.
00:21:45: Ja ja, können gut sein!
00:21:46: Weil
00:21:46: die Studierenden dann sagen, ah war doch nicht meins?
00:21:49: Ja es ist eben ich sag mal gerade beim Lehramt gibt's natürlich im Bereich der Grundschule weil die Leute wissen Grundschullehrkräfte werden gebraucht melden sich natürlich auf viele an.
00:22:02: Aber ob wir dann tatsächlich die bekommen, die wir haben möchten das ist da noch die ganz andere Frage
00:22:15: Genau.
00:22:16: Lassen Sie uns mal, da haben wir so ein bisschen viel über den Rahmen gesprochen, lassen sie uns mal über Latein und Altgriechisch selber sprechen.
00:22:26: Ich selber hatte nie so vergnügen weil es zu meiner Schulzeit im Angebot meiner Schule nicht gab.
00:22:32: Was habe ich dann verpasst?
00:22:35: Naja, ich sag mal... Wenn Sie kein Latein hatten, hat sie zumindest schon mal keinen schlechten Latein-Unterricht.
00:22:43: Okay, das haben Sie jetzt gesagt?
00:22:47: Ich sag mal, Latein hat ja mit seinem Image viel zu kämpfen und das Image ist ja schon sehr lange durchaus problematisch.
00:22:57: Wir haben uns gerade in meinem Bachelorseminar zur Geschichte des Lateins und durch das haben wir uns Lehrbücher aus dem neunzehnten Jahrhundert angesehen total formalistischen Inhaltsleeren-Lateinunterricht erlebt.
00:23:11: Wie ein Berliner Schülsenator mal der EWAS aus den Siebzigerjahren sagte, Latein ist das Fach der inhaltlosen Inhalte.
00:23:18: So kann Latein auch unter.
00:23:19: Ja klar und ich meine es ist ja häufig auch so bei bildungspolitischen Entscheidungen wenn man dann sich die Wieten der Fachpolitiker anguckt und die entscheiden sich dann unter Umständen gegen Latein Manchmal eine private Komponente, dass die einfach schlechten Unterricht erlebt haben.
00:23:38: Wie sagt man kann natürlich Latein wie Mathe auch schlecht unterrichten?
00:23:42: Nur wie gesagt kommt dann keiner auf die Idee des Fach abzuschaffen.
00:23:45: Das heißt im positiven Falle haben sie ein Unterricht verpasst der ihnen einen Orientierungswissen gibt in Sprache und Kultur.
00:23:56: um es mal so ganz einfach auf den Punkt zu bringen Eine Seehilfe bestimmte Dinge nicht nur zu sehen, sondern auch zu verstehen.
00:24:06: Die bei uns immer noch eine wichtige Rolle spielen, weil ja die Antike für unsere kulturelle Grundierung ist.
00:24:13: Können Sie das irgendwie vielleicht noch ein bisschen greifbarer
00:24:16: machen?
00:24:16: Klar!
00:24:17: Wir haben ja vorhin schon drüber gesprochen.
00:24:20: Ich bin jetzt schon seit einiger Zeit mit dem Brandmurgator intensiv beschäftigt und es ist ja ein Bauwerk, dass ja nun jeder zu kennen glaubt.
00:24:27: Ja also ich bin heute früh mit einem Fahrrad wieder durchgefahren Meist nicht am frühen Vormittag schon topte schon wieder die Selfie-Hölle, Brandenburger Tor.
00:24:39: Und die Leute nehmen sich da auf und fotografieren sich.
00:24:42: Wenn ich die fragen würde, was sehen sie eigentlich?
00:24:44: Dann würden die mir keine Antwort geben können.
00:24:46: Ja, das ist ein Tor!
00:24:47: Aber das ist natürlich dieses Tor signalisiert... Also eigentlich wenn man aus dem Tiergarten kommt und man fährt durchs Brandenburgator dann fährt man nicht nach Berlin rein sondern nach Athen.
00:24:58: Weil das Brandenburgrator ja eine Mischung aus den Athenapropyläen, also dem Zugangstort zur Akropolis und einem römischen Stadttor.
00:25:09: Und aus ganz bewusst eben weil die Anfang des oder Ende des achtzehnten Jahrhunderts war es eben so dass man sich in den deutschen Landen nicht so sehr mit den Römern identifizierte sondern mit den Griechen ja?
00:25:24: Man fühlte sich wie die Griechien.
00:25:25: Es gab keinen Nationalstaat wie in Frankreich Die waren ja komplett auf die Römer ausgerichtet sondern man hatte eine Verbindung über die gemeinsame Sprache und gemeinsame Kulturen, ansonsten war man wie die griechischen Stadtstaaten unabhängig.
00:25:39: Also Goethe wäre nie auf die Idee gekommen Nationalstaat zu fordern, dass man fühlte sich als Kultur-Nation und fühlten sich damit auch den Griechen ganz nahe.
00:25:48: Und dementsprechend ist eben das Brandmogator gestaltet.
00:25:53: Also wir haben sozusagen die dorischen Säulen, wie gesagt wenn man sich die Propylen anguckt dann sieht man die Ähnlichkeiten, die der Langhans als Architekt bewusst gestaltet hat.
00:26:06: und wenn man den Bauchsmug anguckt, dann haben wir eben in den Durchgängen mehr oder weniger das fastes komplette Leben des Herakles dargestellt.
00:26:14: ja also sie finden an einem Durchgang ein wunderbares Relief-Herakles erst so kleines übergewichtiges Baby, der also die Schlangen erwirkt, die ihm Hera geschickt hat.
00:26:25: So was haben wir da alles?
00:26:26: Und dann fragt man sich natürlich warum zum Teufel mitten in Berlin der Herakles?
00:26:31: ja weil er natürlich ein Symbol ist für den preußischen Staat es sozusagen Herakless als Symbol gegen Barbarei, gegen für Kultur und natürlich auch wenn er mit der Keule schwingt, dann ist das natürlich auch ein Zeichen für den Preußische Staat dass man sich mit dem besser nicht anlegen sollte.
00:26:49: Also sowas lernt man eben im Lateinunterricht über Mythologie, über Geschichte.
00:26:56: Über antike Geschichte so dass man wenn man durch dieses Tor geht dann eben sagt ja das ist jetzt nicht nur das Tor wo bis vor kurzem noch Silvester-Partys stattgefunden haben oder wo bei der letzten EM ein größeres Fußballtor vorher aufgebaut wurde Ja oder wo Staatsgäste durchmarschieren Das ist schon mehr.
00:27:15: Jetzt habe ich gerade gedacht Ein Sprung sozusagen von der Mythologie zum Fußball.
00:27:23: Ja ja, weil ich sag mal das Brandmogato hat eine ganz spannende Geschichte, weil die Symbolik ändert sich auch immer wieder und bestimmte Dinge werden mehr oder weniger vergessen.
00:27:32: aber wir können davon ausgehen dass an also zu der Zeit als es gebaut wurde Ende des achtzehnten Jahrhunderts haben die Leute verstanden was das sollte sonst würde man's ja nicht bauen.
00:27:44: Antike, ein wesentliches Element zur Selbstvergewisserung und zur Identitätsbildung.
00:27:51: Und es darf man nicht unterschätzen.
00:27:53: So was lernt man eigentlich, kann man im Lateinunterricht lernen?
00:27:57: Jetzt würde ich ja gar nicht kulturpässe-müsli sein.
00:27:59: Aber wo ist das... Also ich hab dir die Fühle so ein bisschen verloren gegangen.
00:28:02: Da steckt eine Menge großer Strauß an allgemeinen Wissen drin.
00:28:09: Ich habe manchmal wirklich die Führte so wie man vielleicht mit fehlenden Mathekenntnissen kucketiert, was ja manchmal so ein bisschen zum guten Tonschein zu gehören scheint.
00:28:19: Ist das halt irgendwie auch mit Lateinen oder griechisch?
00:28:22: Naja ich sag mal wir sind immer noch mit Latein bundesweit die drittstärkste Fremdsprache.
00:28:27: Spanisch knabbert sehr stark an Latein und wir hatten Anfang der zweitausender über achthunderttausend Schülerinnen und Schüler.
00:28:33: da ist auch international absolute Spitze.
00:28:35: jetzt sind wir glaube ich bei so sechshundert.
00:28:40: zeigt da nach unten, muss man schon sagen.
00:28:43: Aber die Inhalte müssen natürlich von jeder Generation neu erworben werden.
00:28:50: Das ist ja nichts.
00:28:51: was wird immer so gesagt, das sei überzeitlich gültig.
00:28:54: Überzeitlich Gültig ist nur dass die Antike offensichtlich Anregungspotenzial hat.
00:28:59: und was jede Generation daraus macht, muss jede Generation auch aushandeln, was es ihr bedeutet.
00:29:05: Und meine Erfahrung ist halt, dass das auch bei Kindern großes Interesse findet, wenn man denen das mal klarmacht.
00:29:14: Was es da zu sehen gibt und dass wir in Berlin hier unsere eigene Antike haben.
00:29:20: Da haben wir eine Menge von.
00:29:21: Also ob's nun hier inmitte ist die Straße unter den Linden, wenn sie an der Kirche vorbeikommen dann kommen Sie am Pantheon vorbei.
00:29:29: Das ist ja so gebaut und auch ne gezielte Anspielung.
00:29:33: Oder sie kommen über die Schlossbrücke, da haben Sie dann die römischen Götter drauf oder sie haben das alte Museum.
00:29:38: Das sieht aus wie eine griechische Säulenhalle und so weiter.
00:29:41: Die Antike ist ja hier wahnsinnig präsent und sollte es auch so sein – das ist ja Absicht, dass das so gestaltet wurde.
00:29:49: Oder sie fahren raus nach Kleinglinique, nach Wannsee.
00:29:51: Da haben sie die Antike der preußischen Könige, wie sie sich ihr Arkadien vorgestellt haben.
00:30:00: Da kann man eine Menge machen.
00:30:01: Und da ist dann Latein und griechisch wirklich Augenöffner, das sind kulturelle und sprachliche Sehhilfen um es mal so auszudrücken.
00:30:11: In welchem Bereich hat's es Sie sehen gemacht?
00:30:14: Gute Frage!
00:30:15: Was haben sie daraus gemacht?
00:30:17: Ich glaube für mich ging es erst so richtig los in der Elftenklasse.
00:30:23: Das hat schon ein bisschen gebraucht.
00:30:25: Da hatten wir ne junge Lehrerin die auch schon lange pensioniert ist Die hat da mir einen bestimmten, haben dann römische Liebeslyrik gelesen, Kartull und das natürlich für ein siebzehnjährigen können sich vorstellen.
00:30:38: Da erkennt man sich dann wieder!
00:30:40: Und das war schon sehr bewusstseinsbildend.
00:30:44: oder unsere Griechenland-Fahrt die wir in den Jahr neunzehnt achtzig unternommen haben.
00:30:47: Das war auch sehr beeindruckend.
00:30:49: also das sind so vielfältige Punkte.
00:30:52: oder dass man eben einer meiner Griechisch-Lehrer, unser damaliger Schulleiter.
00:30:58: Ich bin ja am Goethe-Gymnasium Wimmerstorff zur Schule gegangen und unser Schulleitor damals Graf Stanislaus von Kalkreut war für uns so ein... Das war unser Schuleiter!
00:31:09: Und ich hatte bei dem griechischen Leistungsgeruch und habe da bei dem Humär gemacht und Herodot, also Grieches Eppers und griecherische Geschichtsschreibung und der Herodott hat mich damals wirklich so kolossal beeindruckt was wir da gemacht haben.
00:31:22: Es hatte sicherlich eine Rolle gespielt, dass ich später meine Doktorarbeit über Herodott geschrieben habe.
00:31:26: Das hatte schon ne schulische Prägung also da gibt es schon ganz starke Prägungen bei mir.
00:31:30: Können Sie mich da vielleicht ganz kurz einführen?
00:31:32: Ja oder was ist Herodot?
00:31:34: Herodotte wird immer der lebte im fünften Jahrhundert vor Christus immer als Vater der Geschichtsschreibung bezeichnet.
00:31:40: Den Namen hat Cicero geprägt.
00:31:43: Der war sozusagen der als erster den wir von dem wir auch eine Menge haben im Mittelmeerraum rumgereist ist und dort also das aufgeschrieben, was er gesehen hat.
00:31:58: Der hat im Grunde die Geschichtsschreibung als Gattung eigentlich begründet.
00:32:03: Das unterscheidet sich durchaus von dem, was wir heute unter Geschichtschreibungen verstehen aber der Wichtiger auch von den Quellen, wichtiger Auto.
00:32:13: Also wir haben zum Beispiel der ganz wenigen hat ja beschrieben wie die Ägypter ihre Mumien mumifiziert haben.
00:32:18: Ja das ist eine unserer ältesten Quellen die wir haben bei Herr Rodot und da wird im Wesentlichen die Geschichte der Persakriege dargestellt.
00:32:26: Das ist sozusagen der rote Faden der durchs Werk durchgeht Und es ist eben wahnsinnig bunt.
00:32:29: Es ist kulturhistorisch super interessant Es ist gut erzählt Es ist schöne Literatur Macht eigentlich einen Menschen oder wann können wir sagen, hat ein Mensch ein glückliches Leben gehabt.
00:32:43: Da gibt es diese berühmte Geschichte das der Athenische Politiker Solon, der ist aus Athen weg weil er hatte den Athenern sozusagen Gesetze gegeben und gesagt pass mal auf ich gehe jetzt ins Ausland und ihr dürft an den Gesetzen nichts ändern.
00:32:56: und damit ihr mich nicht zwingen könnt haue ich erstmal hier ab.
00:32:59: so ums jetzt Berlinisch auszudrücken ist dann nach Klein-Asien gefahren zu dem berühmten Krösers, also der sagenhaft reiche Kröser und da gibt es eine riesige Rezeption.
00:33:14: Da finden sie ... Wenn Sie durch Schlösser gehen, finden Sie riesige Wandteppiche zu, der ist also zu dem hingegangen.
00:33:18: Ein Kröseres war ein ziemlich selbstverliebter Typ, er ändert sich ein bisschen an Trump, glaube ich.
00:33:24: Und der zeigt ihm nur seine Reichtümer da und sagt du, wenn ihr das jetzt hier siehst, dann gibt's gar keiner... Ich bin ja doch der glücklichste Mensch in der Welt.
00:33:31: Dann sagt er nee, bist denn nicht?
00:33:33: der Athena Tellos aus Athen ist viel glücklicher als du.
00:33:37: Er war ein normaler Bürger, hatte Kinder und hat die alle groß werden sehen usw.
00:33:44: Das hat mich als Schüler kolossal beeindruckt, dass man auch sagen kann, ob jemand vor seinem Tod niemand für glücklich halten kann.
00:33:54: Glück besteht dann eben nicht nur aus materiellen Dingen sondern auch aus anderen Sachen.
00:33:58: Das sind so eine sehr eingängigen konkreten Geschichten, die auch spätere Generationen dann beeindruckt haben.
00:34:06: Es gibt davon tolle Gemälde.
00:34:08: in Hamburg hängt so ein Gemäle an der Bahnhof in der großen Kunsthalle wo genau diese Szene dargestellt ist und die hing angeblich in den Niederland in einem Rathaus um den Bürgern zu zeigen wie hast du dich gefälligst zu benehmen?
00:34:25: Also nicht wie Kräuser sondern wie Sollern anständig da deine Pflicht zu erfüllen?
00:34:30: Das ist interessant.
00:34:31: Also jetzt merke ich gerade, dass sehr viel Kultur und sehr viele Geschichte drin sozusagen in allem was sie jetzt so zu sagen ausgeführt haben.
00:34:37: Ich frage es mal ein bisschen ketzoisch.
00:34:39: Ja
00:34:39: bitte.
00:34:40: Wofür brauchen wir denn die Sprache?
00:34:41: Man kann sich auch einfach übersetzen.
00:34:43: Ja genau klar.
00:34:45: das ist natürlich eine berechtigte völlig berechtigt Frage.
00:34:47: Es gibt zu jedem lateinischen literarischen Text gibt's Übersetzung.
00:34:50: wenn Sie sich das breite Angebot des Reklamverlages angucken dann werden sie da eigentlich Sowohl bei den klassischen als auch, ich sag mal spezielleren Texten werden sie durchaus fündig und auch in anderen Verlagen.
00:35:04: Der Witz ist aber, ich sage mal sich mit dem... Wenn Sie sich eine Übersetzung anvertrauen, dann nehmen Sie das wahr oder rezipieren das was Ihnen der Übersetzer da präsentiert.
00:35:17: Und er hat ja auch sein eigenes Bild vom Text und gibt ihn so wieder.
00:35:22: und wenn Sie sich mit einem Original beschäftigen, dann müssen Sie sich selber klarwerden Was steht denn da eigentlich?
00:35:30: Ich war gestern bei einer Kollegin aus der Germanistik, die ist auch bei uns hier in der Fachdidaktik tätig.
00:35:36: Die ist auch Lateinlehrer und die machte einen Seminar zum Thema Antike im Deutschunterricht.
00:35:40: Und da habe ich mit den Studierenden den Icarus behandelt.
00:35:45: Das ist eine tolle Geschichte, die es bei OV zweimal überliefert – einmal bei den in dem Metamorphosen oder einmal in der sogenannten Ars Amatoria also Der Liebeskunst.
00:35:55: Da haben wir dann einen Text verglichen und da heißt es am Ende, nachdem Icarus abgestürzt ist ruft Dedalus – und das ist wirklich wörtlich gleich in beiden Gedichten vom selben Autor – sagt der Icaros, Icarous wo bist du?
00:36:11: Wo kann ich dich finden?
00:36:13: Und in den Metamorphosen steht dann Ikare UBS.
00:36:18: Dedaluz diksit sprach er, sagte er Und das wieder wird noch mal wiederholt.
00:36:24: Er sprach es, er sprach's und in der deutschen Übersetzung steht dann Rief eher.
00:36:31: In der Ars Amatoria steht nicht Dixit, da steht Klamat.
00:36:35: Er schrie!
00:36:37: Und mit der Übersetzung ist genau dieselbe.
00:36:39: also auch Rief meint aber was ganz anderes viel emotionaler und das ist in der und ist lustigerweise derselbe Übersetzer.
00:36:50: Das geht verloren Ja, also da ist dann schon wichtig ins Original zu gucken um wirklich sich klarzuwähren was könnte der wirklich da eingehen?
00:36:58: Was steht da wirklich im Text drin?
00:37:00: und nebenbei ist es eben ich sag mal sind das literarisch sehr hochwertige Texte.
00:37:06: Das macht natürlich gleichzeitig für Schüler auch immer sehr anspruchsvoll weil wir natürlich Texte lesen die nicht für Kinder geschrieben worden sind ja.
00:37:12: Das ist für erwachsene weiße Männer einer hatigen Oberschicht geschrieben worden Aber das ist schon ein Riesenunterschied.
00:37:23: Das sagt schon Melanchthon im sechzehnten Jahrhundert, es ist schwierig mit den Übersetzungen weil wenn man sich der Übersetzung einer Übersetzung nur anvertraut dann ist man nicht sicher was da wirklich eigentlich im lateinischen Text steht im Original drin steht.
00:37:36: deswegen muss man in der Lage sein ins original zu gucken.
00:37:40: Jetzt habe ich gerade so bei mir gedacht Im Sinne von was sie gerade sagten sich eine Übersätzung an vertrauen.
00:37:45: ja
00:37:46: Im Moment vertrauen wir uns alle dem Urteilsvermögen einer KI.
00:37:49: Ja
00:37:51: Also ich nutze diesen Deep-Learn Translator, nutze sich sehr viel.
00:37:59: Der ist wirklich, muss ich sagen, sehr gut.
00:38:01: aber ich merke auch er ist besonders dann nützlich wenn man ihn bei Sprachen einsetzt die man ein bisschen kann also englisch oder ein bisschen französisch oder so weil dann hat man noch die Fähigkeit mit dem was einem da geboten wird kritisch umzugehen.
00:38:19: Wenn ich mir jetzt dagegen Also, dass ich das Gefühl habe bei dieses englische Wort.
00:38:23: Das gefällt mir nicht.
00:38:24: Klingt irgendwie Deutsch oder German?
00:38:26: Ja und es ist ja das Tolle an diesem Programm, dass es seine mehrere Möglichkeiten bietet.
00:38:32: Und wenn ich jetzt... Angenommen, ich sollte jetzt einen Brief auf Polnisch schreiben an irgendein polnischen Kollegen der mir was schreibt dann könnte ich das auch machen.
00:38:39: aber ich kann's wirklich überhaupt gar nicht beurteilen!
00:38:42: Ja und das ist natürlich ein Riesenproblem.
00:38:45: deswegen ist es ja auch so wichtig dass man nach wie vor auch Fremdsprachen an der Schule lernt.
00:38:50: Denn sich dann wirklich in die Hände einer KI zu begeben, kann ja schon sehr problematisch sein oder ist problematische weil wir keine Kontrolle mehr haben.
00:38:59: Ja sofern kann ich das was damals der damalige Baden-Württembergischer Ministerpräsident, der jetzt nicht mehr am Amter ist gesagt hat Wir brauchen keinen Fremdsprachenunterricht mehr haltig für nicht gut überlegt.
00:39:13: Das ist wichtig, sonst können wir auch alle anderen Fächer abfassen, abschaffen und wir üben dann in der Schule nur noch Promps zu
00:39:19: schreiben.".
00:39:20: Da bin ich sehr überrascht
00:39:21: über die Aussage.
00:39:22: Ja hat er gesagt.
00:39:24: Herr
00:39:24: Kretschmann?
00:39:25: Der war ja selber eigentlich Lehrer gewesen und ein sehr kluger Mann.
00:39:30: aber ich glaube da hätte er nochmal nachdenken sollen ohne ihm zu nahe zu treten.
00:39:36: also das... Ich glaube wenn man diese Sachen gut nutzen will ... dann muss man ein bisschen was wissen.
00:39:45: Also das stelle ich bei KI tatsächlich auch fest, auch wenn ich jetzt selber nix übersetze... ... aber selbst wenn ich mit der deutschen Sprache nur arbeite, dann ist es mindestens oft sehr ungenau?
00:39:56: Genau!
00:39:56: Es ist ungenauer und ich meine es gibt genug Fälle wo die KI noch halluciniert ja also wo sie uns Sachen sagt die wirklich Unsinn sind und wer man gar keine Ahnung hat und dann eben glaubt dass das was in der KI da steht, das sei die Wahrheit dann ist man auf dem Holzweg.
00:40:12: Und das ist sehr problematisch.
00:40:13: Gestern ging es ja durch die Zeitung, dass diese Nachschuhverwaltung jetzt den Kollegen und Kollegen eine KI zur Verfügung stellt, zur Verbesserung der Unterrichtsplaner.
00:40:20: Ihr habt mir das noch nicht angesehen, wir waren gespannt was man da zu erwarten hat.
00:40:24: Also tatsächlich diese KI kenne ich nicht.
00:40:27: Ich arbeite selber gerade mit einer und war Dickmerke wo sie wirklich gut ist.
00:40:34: im Erstellen von Strukturen
00:40:36: Ja, das stimmt.
00:40:37: Also was Inhalte betrifft darf man sich nicht darauf verlassen.
00:40:40: aber im Sinne von Strukturierung von Arbeitsprozessen abläufen und so weiter ist die wirklich hilfreich?
00:40:48: Ich nutze es mittlerweile wenn ich mal eine Frage habe und bevor ich richtig anfange zu recherchieren schreibe ich einfach mal rein dann guckt mal was mit KI mir für Antworten gibt und das ist schon zumindestes anregend.
00:41:01: ja also manche muss man auch manchmal aufpassen aber insgesamt Das hängt natürlich auch von dem Fachgebiet ab, indem sie sich bewegen.
00:41:10: Weil die KI ja nur das nutzt was im Netz steht und in bestimmten Bereichen steht halt relativ wenig Und in manchen mehr.
00:41:18: und zur Antike ist es was man da findet schon sehr üppig mittlerweile.
00:41:25: Jetzt ist es ja in Berlin so Wir sitzen jetzt in der Humboldt-Universität, ich habe einen Lateinprofessor vor mir sitzen und wenn man dann so in die tägliche Realität der Berliner Schule geht stellt man fest das ist schon eine Fälle.
00:41:39: Also wir haben einerseits Schülerinnen und Schüler die sich sehr intensiv auch in Leistungskursen mit Lateinen beschäftigen und da haben wir am anderen Ende sozusagen Schülerinnen oder Schüler bei denen man hofft dass sie den Sprachniveau erreichen mit dem Sie dem Unterricht selber folgen können.
00:41:58: Wie geht man?
00:41:59: Haben Sie eine Idee, wie man damit umgehen kann?
00:42:01: Das ist heute der falsche
00:42:02: Adressat.
00:42:03: Nein,
00:42:04: wir haben ja ... Hat ein langes Projekt mit dem Ernst-Abbe-Gymnasium in Neukölln, Sonnenallee und hatten da ... Damit haben wir im Jahr eight begonnen und haben das über zehn Jahre gemacht.
00:42:20: Da haben wir geguckt, wie Lateinunterricht Kinder und Jugendlichen helfen, die mit Deutsch als Zweitsprache lernen.
00:42:27: Ich kenne die Schule schon sehr lange in Neukölln.
00:42:30: Meine Mutter ist ein fünfzehnjähriger zur Schule gegangen, meine jüngere Schwester hatte Abitur gemacht, und mein Vater war dort Vorsitzender der Gesamtelternvertretung.
00:42:39: Ich habe dort mal Latein-Praktikum gemacht und war zwölf Jahre lang in der Schulkonferenz als Außerirdischer.
00:42:45: Also ich kenne die Schule wirklich ganz gut.
00:42:46: Man hat sich auch in der Zeit wieder stark verändert.
00:42:50: Und die Lateinkollegen haben da seit den neunzigern mit einer veränderten ... sich verändernden Schülerschaft zu tun gehabt.
00:42:59: Mittlerweile ist ja so, dass über neunzig Prozent da nicht deutscher Herkunftssprache sind.
00:43:05: Das hat sich jetzt von, ich sag mal seit zehn Jahren auch geändert, tendenziell eher türkisch zu arabisch.
00:43:12: Also auch da entwickeln sie Schulen weiter und verändern sich.
00:43:16: Und die haben sich immer ... wollten auch immer einen guten Lateinunterricht für diese Kinder anbieten, von dem die wirklich profitieren.
00:43:25: Die Möglichkeiten zu profitieren sind natürlich auch da Und irgendwann haben die gesagt, wir brauchen jetzt mal einen Blick von draußen.
00:43:34: Was können wir noch machen?
00:43:37: Sprachbildung oder Zeitsprachförderung war eine Zeit lang bestandene im Wesentlichen daran deutsche Texte leichter zu machen damit für die Kinder zugänglicher wird.
00:43:45: Aber das ist natürlich nur der halbe Witz der Sache weil eigentlich muss man sie ja dann so weit bringen dass sie in Erlage sind am Ende die standardisierten Ziele des Abiturs zu erreichen und da müssen sie mit komplexen Texten umgehen können.
00:43:58: Also haben wir gesagt, wir gucken mal was wir mit Latein machen können und sind dann auf die Idee gekommen, wir schauen mal was das Fach selber bietet sozusagen aus sich selbst heraus denn der wird es ja auch wenn man sowas macht sollen die auch gut latein dabei lernen und da wurde dann haben wir viel probiert ist dazu ist eine doktorarbeit erarbeitet worden und mittlerweile sind war soweit haben wir soviel geschrieben dazu.
00:44:21: dass wird jetzt also das die frage der einbettung an den schulen eigentlich die Interessante ist, also wir wissen wie es geht.
00:44:29: Wir wissen das Latein sozusagen als so eine neutrale Brücke funktioniert, keiner bringt Latein mit und Latein kann dann eine Brücke sein zwischen der herkommt Sprache und Deutsch als Zweitsprache.
00:44:42: weil man eben und da sind wir wieder beim Übersetzen, weil wenn man lateinischen Text übersetzen muss, da muss man sich halt klar werden Wie bringe ich das eigentlich ins Deutsche?
00:44:52: Ja Und ich muss es eben auch exakt machen.
00:44:55: Wir wissen ja alle, dass gerade Kinder mit einem Zweitsprachhintergrund die kommen gut klar in der täglichen Kommunikation weil sie sozusagen da bestimmte sprachliche Muster haben, die Sie verwenden und mit denen Sie sich gut verständlich machen können.
00:45:10: aber wenn's an die Standardsprache geht.
00:45:14: Wenn es eher sozusagen an komplexere Texte geht, die sie selber verfassen müssen dann wird schwierig.
00:45:20: Und da haben wir gesagt, da setzen wir mal an.
00:45:23: Denn wenn man dann lateinischen Text hat, da muss man sich drüber klar werden ... Ich seh nicht immer so ein Standardbeispiel.
00:45:30: Senator in Curia am Venet?
00:45:33: Ein ganz drei-Wortsatz!
00:45:34: Aber da muss ich mir eine Menge überlegen.
00:45:36: Da muss man fragen, geht der Senator oder ein Senator in die Kurie?
00:45:43: Das Lateinisch hat keinen Artikel.
00:45:45: Kinder, die einen türkischen Hintergrund haben für die ... ist die deutsche Artikelgrammatik immer ein Problem, weil das türkische auch keinen Artikel hat.
00:45:52: Also muss man schon mal entscheiden was nehmen wir da?
00:45:55: Nehmen wir einen bestimmten Artikel, nehmen wir den unbestimmten Artikel, nehmen wir diese sogenannte Nullstelle.
00:45:59: ja also Senator heute würde man sagen Lehrer geht in Schule oder
00:46:07: jetzt versteht es auch Warum dann halt gesagt wird Lehrer geht?
00:46:11: Ja, das ist so ein Fagel mein Amt da nicht.
00:46:13: Aber kein Artikel dabei.
00:46:14: Genau, es gibt keinen Artikel.
00:46:17: Und das muss man entscheiden.
00:46:19: oder wenn man sagt der geht nicht in eine Kurie, er kommt in die Kurie.
00:46:23: Das ist nämlich die Kurier in Rom ja.
00:46:25: Das heißt selbst bei so einem kleinen Satz muss man viele Entscheidungen treffen und das kann man nur wenn man sozusagen entsprachliches Wissen im Hintergrund hat.
00:46:33: Das muss also sozusagen vom Wissen her unterfüttert werden und das ist für die Kinder eine große Hilfe, also dann auch bewusster mit dem Deutschen und so gehen.
00:46:44: Und wir haben es ja in der Dissertation, die damals Dr.
00:46:47: Randon-Maria Große geschrieben hat wirklich kottnisempirisch zeigen dass das wirklich wirkt.
00:46:55: Ja und wenn man Latein entsprechend so sprachsensibel unterrichtet sich einstellt auf die sprachlichen Voraussetzungen, die die eigenen Schülerinnen und Schülern mitbringen.
00:47:07: Dann kann das Latein das fördern was wir heute Sprachbildung nennen also die Fähigkeit mit unserer Standardsprache bewusst und erfolgreich umzugehen.
00:47:15: Und das ist ja für die Schule ganz entscheidender Punkt!
00:47:21: Die Kindheit Jugendlichen zu befähigen, sprachlich die Fehigkeit zu haben... Also erstmal nicht nur die Anforderung der Schule zu erfüllen sondern auch gesellschaftliche Teilhabe damit zu bekommen.
00:47:32: Und das war interessant, als wir damit anfingen, dass Widersprach so ganz dem Klischee des Lateinunterrichts – ja!
00:47:39: Das erstens das Kinder mit einem Zweitsprach-Hintergrund sehr gut und sehr erfolgreich lernen können.
00:47:44: Ja für mich war es.
00:47:45: mein Ahaerlebnis hatte ich in meinem Referendariat an der Hermann Hesseoberschule In Kreuzberg, da war mein Fachseminar in Latein und mein Fach-Seminarleiter Gerhard Meisner.
00:47:55: Mein großes persönliches Vorbild oder eines meiner Vorbilder hatte damals Leistungskursen.
00:48:00: Da waren fünfzig Prozent Kinder mit dem türkischen Hintergrund drin.
00:48:02: Und die konnten richtig gut Latein.
00:48:04: Die konnten auch richtig gut Deutsch.
00:48:05: Ich kam von einem altsprachlichen Reservatsgymnasium, wo Latein so sicher war wie's Arm in der Kirche... Der zeigte, dass das da geht und dass es erfolgreich geht.
00:48:17: Und seitdem beschäftigt mich das eigentlich immer wieder.
00:48:22: Das war für Latein insofern oder die Öffentlichkeit etwas ganz Neues.
00:48:26: Wir haben das oft in der Presse diskutiert weil ja Latein das Image hat... um Latein lernen zu können, muss der Vater mindestens Chefarzt einer mittelgroßen deutschen Klinik sein oder man muss in der siebten Generation einer deutschen Juristenfamilie sein.
00:48:42: Um das irgendwie bewältigen zu können und das natürlich totaler Humbug!
00:48:47: Und insofern kann Latein da tatsächlich auch wirklich was leisten, um Chancengerechtigkeit zu fördern?
00:48:56: Das ist total spannend weil ich hab das... also jetzt haben Sie da gerade bei mir Ich habe gemerkt, wie die Synapsen bei mir irgendwie zusammenfunkten.
00:49:02: Das knackte aber im Guten Sender!
00:49:08: Man startet ja so leer in die Luft?
00:49:11: Ja.
00:49:11: Nee das tatsächlich nicht... Aber ich hätte tatsächlich eher vermutet, dass Latein sozusagen was ist, was noch weiter drüber sitzt und was man erstmal versuchen muss zu erreichen über eine andere Sprache, aber dass es als Brücke fungieren kann.
00:49:25: Aber jetzt erst einmal... Kann
00:49:26: fungiren, ja.
00:49:27: Finde ich total spannend.
00:49:29: Aber wie kann man dann den Ruf des Lateins ein bisschen erden?
00:49:33: Ich formuliere es mal so, weil das ist ja schon ... Wenn man Lateinunterricht hört, dann ist man bei dem genau was sie gerade sagten.
00:49:39: Also da sind dann halt irgendwelche Bistenfamilien oder irgendwie Ärzte und so.
00:49:42: Ja,
00:49:43: also Latein hat eben immer noch mit diesem sehr elitären Anspruch zu tun.
00:49:52: In den Sechzigerjahren gab's die Ersten.
00:49:54: Da wurde das sozusagen für Lateinen langsam kritisch, Er sagte, wir müssen unsere Abiturientenzahlen erhöhen.
00:50:02: Darendorf Bildung ist Bürgerrecht und Georg Picht, Bildungskatastrophe und so.
00:50:06: Da stand dann der typisch benachteiligte Größe war das katholische Mädchen vom Land.
00:50:14: Und da spielte Lateine Rolle, weil Latein- und Mathematik galten immer als die Auslesefächer.
00:50:19: Das waren die Fächer an denen sich zeigen sollte, ob jemand die Anforderungen des Gymnasiums erfügt.
00:50:24: Das ist ja heute wieder so.
00:50:27: Durch die Schulzeitverkürzung hat sich das auch wieder verschärft, das muss man auch deutlich sagen.
00:50:33: und dabei ist es kein Naturgesetz, dass das so ist.
00:50:39: Und das zeigen die Kolleginnen und Kollegen, die ich sage mal dann an Schulen in schwieriger Lage wie man so schön ein bisschen euphemistisch sagt also Brennpunktschulen, die da erfolgreich arbeiten.
00:50:51: Zeigen, vielen Kindern Türen öffnen kann, durch die sie normalerweise niemals gehen würden.
00:51:00: Weil Sie die gar nicht kennenlernen.
00:51:03: und ich meine wenn sie so eine ganz multikulturelle Klasse haben – sie kamen Kinder aus Syrien, sie haben Kinder aus der Türkei, sie hat Kinder aus Polen – was ist deren Gemeinsamkeit?
00:51:12: Dass die lateinische Traditionen.
00:51:13: Syrien war römische Provinz.
00:51:15: Türkeis war röhmische Province ja aber hing immer im Klassenraum ne Türkeikkarte drauf.
00:51:20: Aber da sind natürlich sozusagen auch das Das hat was miteinander zu tun.
00:51:26: Und da gehen, das ist für die Kinder dann auch ein Punkt wo.
00:51:31: man wurde dann sozusagen etwas über ihre eigene kulturelle Identität erfahren und vor vielen Jahren hatten wir einen Journalist von der Deutschen Welle erzählt, der damals in Folge dieser Geschichten bei ABBE war und da hat ihm dann ein Mädchen gesagt seitdem ich Lateinlerner weiß sich dass ich dazugehöre Ja, das hat dann was Integratives.
00:51:53: Dass man sagt... Also durch die lateinische Tradition oder römische Tradktionen ist es ja eine Lateinische, dass bindet auch.
00:52:02: Darüber kann man sich treffen und dann sitzt natürlich auch, ich sag mal spielt auch immer ne Rolle.
00:52:08: diese Inhalte sind eben alle wahnsinnig alt und haben damit, sagen wir mal, sind so ein bisschen aus den häufig sehr aufgeregten Debatten raus heutzutage.
00:52:17: Da kann man das auch als so eine neutrale Basis sehen, auf der man sich auch über aktuelle Dinge gut unterhalten kann und ohne sich deswegen gleich in die Haare zu kriegen.
00:52:26: Das ist ein interessanter Kontrapunkt genau zu der Debatte, die wir ja heute irgendwie führen oder diesen Debatten, den wir heute führen.
00:52:31: also zu sagen, wir treffen uns... Wir sind so einer Streitschlichtung auf neutralem Boden?
00:52:36: Ja, ja!
00:52:37: Auf neutralem sprachlichen Boden.
00:52:40: Genau.
00:52:42: Wie würden Sie denn den die Relevanz des Lateinunterrichts in Berlin im Moment einschätzen?
00:52:49: Ja, das ist unterschiedlich.
00:52:51: Also wir haben ja verschiedene Bereiche – ich sag mal den Bereich der Grundständigen-Gymnasien, die Latein anbieten und oder griechisch anbieten, das sind dreizehn Schulen, die sind in einer Regel gut nachgefragt.
00:53:08: Natürlich auch immer klar, es war ja schon so weil natürlich viele Eltern gibt die sechs Jahre Grundschule vermeiden möchten.
00:53:15: Das geht sicherlich den anderen, wir haben ja glaube ich über vierzig grundständige Angebote in Berlin.
00:53:19: da sind die alten Sprachen eins von vielen und dann haben wir sozusagen den Bereich wo Latein ab klasse sieben gelernt wird auch im spätbeginn ab acht neun oder zehn und im späten Beginn Probleme durch die Schulzeitverkürzung.
00:53:37: Und wir haben da insgesamt eben auch ein Jahr wirklich verloren, ja?
00:53:40: Das ist ein Jahr weniger und das macht sich bemerkbar.
00:53:43: Da haben die Kollegen ganz schön zu kämpfen weil er natürlich auch der Wahlpflichtbereich sehr vielfältig ist.
00:53:49: wenn sie mit Latein konkurrieren müssen ich sage mal mit Arbeiten, mit Holz oder so dann ist natürlich der Arbeitsaufhören für Lateinen einfach ungemein größer und Sie haben manchmal noch eine Stunde mehr.
00:54:01: Das heißt, die Kinder müssen da mehr leisten und da kann man das natürlich auch niemanden übel nehmen.
00:54:05: Der sagt nee ich will nicht ganz so viel tun vielleicht oder... Und dann haben wir natürlich Probleme in den Oberstufen.
00:54:13: Das ist schwieriger geworden es Oberstufenkrise zusammen zu kriegen.
00:54:16: Das betrifft aber auch so ein Fach wie Französisch zum Beispiel auch ziemlich stark Und da muss man ganz schön arbeiten, dass wir da auch unsere Grund- und Leistungskurse weiter wieder stärken.
00:54:28: Dass wir mehr Schulen haben mit Leistungsskursen – das ist wichtig!
00:54:31: Woran liegt es aus Ihrer Sicht?
00:54:33: Also da entscheiden ja die Schülerinnen und Schüler, ob sie den Fall
00:54:35: angreifen.
00:54:35: Ja, das hat verschiedene Gründe.
00:54:37: also ich glaube... Das ist ein generelles Phänomen weil natürlich auch die Wahlmöglichkeiten sehr groß sind.
00:54:45: Ich glaube Englisch ist davon ausgenommen.
00:54:47: Englische Leistungskurse gibt's sehr viele Aber latein und französisch haben wir schon ganz gut zu kämpfen, weil die Fächer auch als schwer gelten.
00:55:01: Wir haben in Berlin das Latinum, was für viele immer noch sehr wichtig ist, erst in der Oberstufe dann tatsächlich vergeben.
00:55:12: In Brandenburg wird es nach der Zehnten Klasse vergeben, was die Sache zusätzlich schwierig macht, weil viele sagen ich habe das Latinum okay und damit höre ich auf.
00:55:20: Das ist eine schwierige Sache, woran es dann im Endeffekt wirklich liegt.
00:55:25: Kann man nicht so genau sagen?
00:55:28: Das ist interessant, was Sie sagen!
00:55:30: Ich hab das Latinum und dann höre ich
00:55:31: auf... Ja.
00:55:32: ...das ist so die... Was ich auch wahrnehme, so ne... Ich kann an ein Thema einen Haken ran machen und der zieht sich ja irgendwie durch viele Bereiche der Schule.
00:55:43: Wo ich immer richtig fühle habe so okay, was läuft da falsch.
00:55:46: also warum ist das so wenig anregend dass man sagt man macht irgendwie weiter.
00:55:50: Ein bisschen sehr pauschal vielleicht, aber du bist ganz oft meine Wahrnehmung.
00:55:55: Ja das kann gut sein und das Latinum ist natürlich für Lateinenfluch- und Segen zugleich.
00:55:59: ja weil wenn hier bei uns die Leute mit dem Studium anfangen dann können die ein Latinom haben oder auch nicht.
00:56:04: sie müssen eine Einstüpfungsklausur schreiben in Latein.
00:56:08: Das ist natürlich auch ich sag mal Akt auch der Selbsttäuschung mit dem Latinum.
00:56:15: Man kriegt ja einen Latino ausreichend und ob man dann latein kann ist überhaupt nichts mitgesagt, also ich finde es auch ehrlich gesagt überholt mit dem latino.
00:56:22: wir bräuchten ein differenziertes System in dem wir bestimmte Lateinkentnisse sozusagen zertifizieren könnten.
00:56:28: das bräuchen wir eigentlich aber viele hängen halt immer noch am latinum wobei das ja eben ich sag mal lateinkenntnis an universitäten ist ja auch ein thema dass eigentlich kein Lateinunterricht, wenn man damit argumentieren will.
00:56:42: Ja?
00:56:42: Latein ist so wichtig zu lernen zu werden weil an der Universität so viel Latein gebraucht wird für die Studiengänge.
00:56:48: Wenn es danach ginge müssten wir in Berlin schon seit den siebzehr Jahren keinen Latein-Unterricht mehr haben.
00:56:53: Weil wir ja hier in Berlin ganz nur ganz punktuell Lateinkennisse brauchen, wenn Sie eine Alterdumstessenschaft studieren, wenn sie Theologie studieren oder so was oder Philosophie dann wird das noch gebrauchten aber nicht mehr verenglisch oder sowas.
00:57:10: Ist das Latinum, also ich muss da mal nachhaken.
00:57:12: Ist es ein Latin-Veraussetzung für eine Studium?
00:57:16: Ja wir müssen hier einen Latin um tatsächlich nachweisen ja.
00:57:19: Also als Grundkenntnis?
00:57:20: Ja, ihr
00:57:20: könnt's aber auch hier erwerben.
00:57:22: Wir haben auch Studierende die kommen ohne Latein-Kentnisse oder ohne griechisch Kenntnisse machen dann hier so ein einjähriges Profi Deutde kommen und können dann hier im Institut eine Prüfung ablegen, die nach den Grundsätzen des Latinums abgefasst ist, Minuten Klausur mündliche Prüfung und kriegen dann sozusagen von uns ein Zertifikat, dass sie Fähigkeiten nachgewiesen haben im Umfang dessen was man als Latino-Mutter Grecum bezeichnet.
00:57:48: Okay
00:57:49: okay also Grecums sind
00:57:50: Griechschmerzen.
00:57:53: Sie hatten eben gesagt wenn die Schülerinnen und Schüler erst mit klasse Acht anfangen möglicherweise dann fehlt ihnen das Jahr oder einen Jahr?
00:58:01: Ja weil die Stundentafel verkürzt wurde.
00:58:05: Das Jahr ist wirklich weggefallen das heißt es wird noch noch gedrängter.
00:58:08: Sie haben ja ohnehin schon, wenn sie ein Jahr später anfangen, dann haben sie einfach einen Jahr weniger Zeit und das macht die Sache nochmal gedrängter.
00:58:18: Also die Zielstellung bleibt die gleiche?
00:58:20: Genau!
00:58:20: Das ist genau das Problem.
00:58:21: Und man hat aber diese Jahre weniger?
00:58:23: Genau wir hatten zum Beispiel oder ich hatte als wir jetzt die neuen Oberstufen-Lehrpläne was die vorbereitet wurden habe ich so eine Art Exposier geschrieben zu den alten Lehrplänen und hatte der Senatsverwaltung dringend ans Herz gelegt doch bitte schön für die Oberstufen spezielle Anforderungen, für die dritte Fremdsprache vorzusehen.
00:58:41: Wie es früher mal in den Achtzigern, Neunzehren Jahren auch wirklich war – das wurde abgelehnt und das ist ein Problem für viele, die in dem Bereich unterwegs sind, die da ganz, ganz wichtige Arbeit leisten aber die eigentlich wissen... Die Anforderung dieses Latinum stellt kann ich eigentlich mit den paar Stunden, die ich habe kaum erreichen und das frustrierend für alle Beteiligten.
00:59:05: Das führt dann auch dazu, dass so ein Fach am Ende nicht erfolgreich ist.
00:59:09: Weil das vielleicht die Schüler überfordert.
00:59:12: Wenn man sich die Stundentafeln der fünftiger und sechziger Jahre ansieht haben wir immer noch dieselben Ziele aber wir haben die Hälfte der Stunden übrig.
00:59:22: Und natürlich auch im Problem selbstbetrug der Lateiner an dieser Stelle.
00:59:27: Dass man sich eigentlich mal fragen müsste was können wir wirklich ehrlicherweise noch schaffen?
00:59:32: Und das ist sehr differenziert.
00:59:34: Wenn Sie Latein am Klasse V machen und Sie haben einen guten Unterricht, gehen nicht irgendwann von der Fahne sozusagen weil es vielleicht uninteressant wird oder so, aber da können sie schon natürlich am Ende auch in einer Oberstufe die ganze große Literatur lesen.
00:59:50: Aber wenn Sie ab der neunten Klasse oder ab der zehnten an Sekundarschulen zum Beispiel Lateinen lernen naja dann hat es seine Grenzen Nur César bei rauskommt, wieder nur Césars.
01:00:04: Dann ist es zu wenig.
01:00:06: und da ist Gott sei Dank der neue Berliner Rahmenplan, der ist wirklich da bundesweit vorbildlich weil wir jetzt auch die gesamte Latinistik abdecken.
01:00:16: also sind wir wieder beim Neulatein.
01:00:18: Da können sie dann eben auch neu lateinische Texte lesen.
01:00:21: Erasmus aus dem sechzehnten Jahrhundert und die Humanisten haben eben auch Texte für die Kinder damals geschrieben.
01:00:26: das sind dann Texte bisschen zu den lateinischen Nachrichten von Radio Bremen oder am finnischen Rundfunk, das können sie dann alles machen.
01:00:36: Aber wir müssen da viel stärker differenzieren.
01:00:39: ja weil es macht neben einem riesen Unterschied ob Sie dann vier Jahre mehr oder weniger Latein gehabt haben.
01:00:46: Vielleicht ist die Frage jetzt ein bisschen ungewöhnlich.
01:00:50: Sie haben vorhin gesagt viele der alten Texte wurden für Erwachsene, weiße Männer der Oberschicht
01:00:57: geschrieben.
01:00:58: Und jetzt sachte mir eine gut bekannte Schülerin mal vor gar nicht allzu langer Zeit die Sachen, die wir irgendwie in der Schule lesen sind alle so alte Männer-Fantasien.
01:01:11: In ganz weiten Teilen der Literatur.
01:01:13: und wie begeistert man dann Schülerinnen?
01:01:15: Also insbesondere Schülerinnen für den Bereich
01:01:19: Ja, ich meine es gibt ja nun in der antiken Literatur auch jede Menge Frauen gestalten.
01:01:22: Also wir wollen ja nicht immer nur sozusagen rausfinden was das Auto damit gemeint.
01:01:28: Also nur ganz kurz.
01:01:29: Damit meine ich jetzt nicht nur die ganz alte Literatur, sondern auch so die aus dem siebzehnten und achtzehnt Jahrhundert.
01:01:34: Na ja, ich sag mal man muss dann davon abstrahrieren dass das von Männern geschrieben ist, sondern sich darauf einlassen, dass ich sage guck mir jetzt den Text an und der ist eine fiktionale Literatur.
01:01:44: Das ist ne ausgedachte Geschichte und ich frag mich erstmal was macht der Text jetzt eigentlich mit mir ohne dass ich wissen muss was dieser Autor der Mann damit gemeint haben könnte?
01:01:55: so eine unfruchtbare Geschichte auf der Jagd nach der Autorenintention zu sein.
01:01:58: Was könnte uns ja auch damit sagen?
01:02:00: Wird schwierig bei einem Auto wie Ovid, der zweitausend Jahre schon tot ist das rauszufinden.
01:02:07: Das ist natürlich ein Problem und zumal auch Latein eben bis im Grunde nach dem Zweiten Weltkrieg hauptsächlich für Jungs unterrichtet wurde.
01:02:15: Wir haben eigentlich einen ersten regulären Latein oder zwei Mädchen in der Weimarer Zeit in den zwanzig Jahren Sagt natürlich auch was über die Texte, die wir da haben und die irgendwie tradiert wurden.
01:02:27: Aber es gibt natürlich auch jede Menge Texte... ...die man, sagen wir mal unter Genderaspekten lesen kann ja?
01:02:34: Und unter Fragen welches Frauen, welche Frauen in Männerbilder stecken hinter den Texten so dass das gerade für Mädchen interessant ist denn ich kann mich im Sinn vor vielen Jahren an einer Berliner Schule im Praktikum gewesen zu sein.
01:02:51: Drei Jungs!
01:02:54: Die saßen zusammen in der letzten Reihe.
01:02:59: Wir haben einen ganz großen Anteil an Mädchen, die Latein lernen – ein ganz großem Anteil!
01:03:05: Und insofern ist die Lehrbücher stellen sich darauf auch ein und das kann man gut bedienen.
01:03:20: Wünsche an den Senat formulieren könnten.
01:03:23: Da haben Sie es auch schon ein paar Mal
01:03:24: gestreift
01:03:25: sozusagen in dem
01:03:26: Bereich,
01:03:27: welche wären das?
01:03:29: Also insgesamt ich sage mal wenn ich jetzt sozusagen als Lehrer bilden und auch selbst als Lehrer oder Hochschullehrer der vielen Berliner Schulen unterwegs ist kann ich nur sagen geht sorgfältiger mit euren Ressourcen, mit eurer Leckkräften um.
01:03:49: Also meine Erfahrung ist mit den sechsundzwanzig Stunden, die die Lehrkräfte haben am Gymnasium als ich neunzehntneinzig einstieg.
01:03:56: Als Refondar hatte hat er den Gymnasiallehrer einundzwanzig Stunden pro Woche.
01:04:01: das macht einen riesen Unterschied aus und hatte noch diverse Abminderungstatbestände.
01:04:05: ja geht mit den Leuten sorgfältiger um gibt ihnen mehr Zeit.
01:04:11: Also mit der Grundschule geht es ja jetzt so ein bisschen los, wie man euch in der Zeitung lesen konnte.
01:04:15: Das ist zwar auch noch nicht die Welt aber das ist ein Anfang dass man auch die Klasse ein bisschen kleiner macht.
01:04:22: Das is glaube ich ein ganz wichtiger Punkt was sozusagen Fürsorgepflicht und auch Wertschätzung den Lehrkräften gegenüber angeht denn die meisten sind nur damit beschäftigt irgendwie heil durch den Alltag zu kommen kann es nicht sein.
01:04:39: Bei so einer wichtigen Tätigkeit, bei der auch persönliche Freude wichtig ist und auch dass die Leute sozusagen ihre Tätigkeiten gerne machen, dass sie nichts das Gefühl haben, Sie werden von vorne bis hinten ausgequetscht.
01:04:52: Das ist glaube ich ein Riesenproblem.
01:04:55: Das haben wir aber überall.
01:05:00: Was die Grundbelastung angeht oder eine Grundbeschäftigung wird dann zur Grundbelassung, dass die zu hoch ist.
01:05:06: Das muss man einfach sagen.
01:05:08: Wenn ich dann so hier, wenn ich Komponenton verfolge die mit Idealismus, Enthusiasmus und großer Freude in die Schule gehen.
01:05:17: Und nach zehn Jahren dann am Ende zu Zynik angeworden sind weil sie das Gefühl haben Das System quetscht sie nur aus Dann läuft da was schief und zwar grundsätzlich schief Ja und stattdessen gibt es dann teure Programme um die Lehrergesundheit zu fördern.
01:05:33: Da wird's dann wirklich finde auch Unanständig Ja, auch moralisch unanständig an der Stelle.
01:05:41: Und das andere wäre dafür zu sorgen dass die Verzahnung der Phasen in der Lehrerbildung einfach besser wird.
01:05:46: Das muss man sagen und dass wir da mehr miteinander reden.
01:05:51: also wie gesagt keiner wusste ging auf vielen Schulen so was da eigentlich im Blick auf uns zukommt ja und welche Rolle die Universitäten spielen.
01:06:01: ich wusste es als Dekan einer ziemlich großen Fakultät hier überhaupt nicht gar nicht Und das ist auch einer großen Lehrerbildenden Fakultät.
01:06:10: Wir haben ja die Sprachen bei uns, also die großen Fächer, französisch Englisch-Deutsch und das fand ich schon nicht gut.
01:06:20: Das wären so meine Hauptwünsche.
01:06:24: Also diese Thema... Vor allem der erste wird es ja nicht sprühen nach mit den Stundendeputaten.
01:06:28: Ich fand halt immer wieder Feststelle in meiner eigenen Rolle als Vater, Elternvertreter wie auch immer Dass er dann einfach viel zuviel ist.
01:06:40: Weil der Wahrnehmende, gerade wenn da noch Schulentwicklung dazukommt und eine Unterrichtsentwicklung... Ich frage mich halt ganz oft wo bleibt den Lehrkräften?
01:06:49: Noch die Zeit nochmal links oder rechts irgendwie zu gucken?
01:06:53: Genau das ist es!
01:06:54: Man ist nur noch mit Alltagsaufgaben beschäftigt.
01:06:59: wirklich dass das braucht komplette Energie auf und all die Dinge, die man dann auch machen soll.
01:07:06: Also Schulentwicklung – das ist ja nun ein großes Wort!
01:07:10: Da hängt ja eine Menge dran, Unterrichtsentwickling.
01:07:12: Soll mein Unterricht verbessern?
01:07:14: Dafür bräuchte ich aber vielleicht mal Leute, die auch meinen Unterricht mal reinkommen und meinen Unterrichten mal ansehen, dass sich also Kollegen einer Schule haben, die eine weit wegen der Stundenabminderung haben um dann auch zu beraten.
01:07:25: diese Kultur haben wir gar nicht.
01:07:27: Dabei bräuchten wir sowas.
01:07:29: Wenn Unterrichtsbesuch kommt, dann kommt der Schulleiter oder der Schulrat zur üblichen Einstufung wie man sich so macht und das ist dann auch noch am Ende Angst besetzt weil es ja Kontrolle ist und es soll eben keine Kontrolle sondern Beratung sein usw.
01:07:45: Das ist sehr schwierig.
01:07:47: Also wo's mir im Moment auffällt und da merke ich, dass es einen eklatanten Bedarf eigentlich auch in den Schulen ist diese Thema, wir sprachen schon drüber KI.
01:07:55: also da werden im besten Fall irgendwelche Weiterbildungen oder Module angeboten zum Thema, was ist KI?
01:08:01: Oder was kann man damit machen.
01:08:04: Ich merke aber selber, man muss einfach damit rumspielen und rausfinden, was kann die oder was brauche ich oder wie muss ich was fragen.
01:08:11: Und ich glaube da kann man schwer in so einem Weiterbildungs-Seminar...
01:08:17: Ja vor allen Dingen.
01:08:18: Da
01:08:18: sind ja so, ich sag mal das ist ja überholt ein Jahr der Fortschritt roständig.
01:08:23: Das ist ja Hase und Igel.
01:08:25: also Ich glaube, ich nehme bei vielen Kollegen große Angst vor der KI.
01:08:34: Jetzt kriegen die alle die Übersetzungen raus und so.
01:08:36: Dann sag' ich immer Leute, die Übersetzung haben sie feuert, können die Schüler auch schon Feuer rauskriegen?
01:08:41: Das ist ja nun nichts Neues!
01:08:42: Es ist nur schneller zugänglich, das ist der Punkt.
01:08:45: Aber damit kann man umgehen.
01:08:50: Wir müssen hier an der Uni auch umgehen, dass man eben sagt gut ... muss ich dann überlegen, gibt man noch wirklich Hausarbeiten?
01:09:00: Wenn man abschätzen kann, dass es natürlich Leute gibt die dann mit einer KI arbeiten und das sozusagen regelwidrig nicht anzeigen.
01:09:07: Man kann ja jetzt schon mit der KI arbeiten, muss da aber angeben wo hat man sie benutzt.
01:09:14: Und ich meine, die KI liefert nur nicht die Wahrheit, damit wir's ja mit den Ergebnissen auch kritisch umgehen müssen.
01:09:22: Ich sag mal, das ist ja nur wieder für den Unterricht eine ganz dankbare Geschichte.
01:09:27: Also ich glaube die Ängste, die da zum Teil da sind sollten nicht so heiß gekocht werden wie sie am Ende tatsächlich gegessen wären.
01:09:39: Wir müssen uns damit auseinandersetzen Die Kinder und Jugendlichen gehen damit um Und wir müssen ihnen beibringen dass sie damit richtig umgehen.
01:09:45: Das ist der Punkt, dass sie auch eine kritische Distanz zu haben wie Menschen sein können, wenn für sie was vermeintlich bequem ist.
01:09:55: Ja dann machen Sie das ja.
01:09:58: und da müssen wir eben auch zeigen dass es dadurch aus, dass man da genau hingucken muss.
01:10:05: Kann man das Urteil zwar im Bügen schärfen?
01:10:06: Ja genau!
01:10:07: Kann man's Urteil vom Bügen schaffen so siehts aus.
01:10:10: Könnte man machen indem man zum Brandenburger Tor fährt und seinen allgemeinen Wissen erweitert.
01:10:15: So kann man nämlich die KI korrigieren.
01:10:18: Da haben wir den
01:10:19: Bogen.
01:10:21: Gibt es jetzt noch was, was Ihnen wichtig wäre?
01:10:23: Noch mit reinzugeben.
01:10:25: Ein Gedanken, einen Abhell, einen Wunsch...
01:10:28: Ich würde einfach sagen, wenn ich an meinen Bereichen denke, durchaus offen zu sein für das, was wir im Latein- und griechischen Unterricht anbieten sich auch beraten zu lassen, auch wenn man jetzt an Eltern denkt die vielleicht zuhören wirklich die Latein- und griechisch Lehrkräfte anzusprechen.
01:10:53: Und die wirklich zu fragen, was macht ihr denn da?
01:10:56: Denn darauf können die Leute in der Regel gut antworten.
01:11:01: Das ist ja auch völlig berechtigt.
01:11:05: Ich sehe es geradezu bei uns ein Vorteil darin, dass sich die Lateiner immer wieder rechtfertigen müssen.
01:11:11: Weil das ist qualitätsfördernd!
01:11:12: Wenn ich mich immer wieder selber hinterfragen muss... Was mache ich da eigentlich?
01:11:16: Warum mache ich's?
01:11:18: Ich sag mal, so in der Komfortzone drin bin ich.
01:11:22: Mein Fach ist total gesichert zu tausend Prozent.
01:11:26: Dann muss sich das nicht qualitätsfördernd auf das auswirken was ich da mache weil ich mich ja nicht hinterfragen muss.
01:11:34: Der von mir erwähnte Seminarleiter Gerhard Meisner war Latein und Griechischlehrer und er ist trotzdem nach Kreuzberg gegangen.
01:11:40: hat er nur latein gemacht?
01:11:42: Er sagte warum hat er das gemacht?
01:11:43: wenn man nicht jeden Tag für sein Fach kämpfen muss wird man bequem Und da ist etwas dran Da ist was dran.
01:11:50: Und ich finde, das muss man den Kollegen dann auch wirklich abnehmen und uns sie dann auch fragen, warum macht ihr das eigentlich?
01:11:59: Das ist keine Frage die irgendwie belästigt sondern die ist gerechtfertigt und darauf kann und müssen Latein-Lehrer gute Antworten geben.
01:12:07: Kann er auch machen gibt ja auch gute Antwortend darauf.
01:12:11: Alles klar!
01:12:12: Gut,
01:12:12: ich danke Ihnen!
01:12:13: Ich danke auch!
01:12:14: Mensch jetzt haben sich da wie gesagt bei mir wieder so einen napsen Verknüpptriss.
01:12:18: Spannend.
01:12:18: Das freut
01:12:19: mich, vielen Dank!
01:12:21: Liebe Hörer und Hörere, vielen dank fürs Einschalten.
01:12:23: erst mal wenn Sie mögen gerne wieder bis zum nächsten Mal.
01:12:26: und eine gute Zeit bis dahin
01:12:27: und bis
01:12:28: bald.
01:12:47: Vielen Dank fürs einschalten, dies war Herr Fechnerli zum Gespräch.
01:12:51: ich lade mir in diesem Podcast regelmäßig
01:12:52: Menschen die mit den Themen Bildung und Kultur zu tun haben zum Gespräche
01:12:56: ein um herauszufinden wer sie sind
01:12:59: was ihr.
01:13:01: alle weiteren Episoden dieses Podcasts finden sich runter Marcofechner.de und auf gängigen Podcast.
01:13:09: Die Musik für diesen Podcast
01:13:11: stammt von Frameflex.
01:13:13: Vielen Dank!
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